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Projekt Tagesstätte

Menschen mit einer geistigen Behinderung finden Arbeit in den Naturschutzgebieten der BNVS

Abtransport von Mähgut



Wie bereits in zahlreichen Veröffentlichungen erwähnt, arbeiten seit 1995 Menschen mit einer geistigen Behinderung aus den Tagesstätten regelmäßig in den Naturschutzgebieten der BNVS. Für diese Menschen ist diese Beschäftigungsmöglichkeit zu einer Lebensaufgabe gewachsen und trägt wesentlich zu ihrer sozialen Anerkennung bei. Ihre Lebensqualität verbessert sich beträchtlich, da ihrem Wunsch nach einer Arbeit draußen in der Natur Rechnung getragen wird, aber auch, weil sie eine Aufgabe übernehmen dürfen, die in unserer Gesellschaft als wichtig erachtet wird.

Dank der Unterstützung der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der Dienststelle für Personen mit Behinderung steht uns weiterhin Herr Guy Hagemann als Koordinator des Projekts in der Tagesstätte in Eupen zur Verfügung. So können Henri, Veronique, Josef und Alois an vier Tagen in der Woche in die Naturschutzgebiete fahren und dort anfallende Pflegearbeiten durchführen: Säubern der Flächen nach der Entfernung der Fichtenbestände und Mahd. An mehreren Tagen in der Woche erhalten sie zusätzliche Unterstützung aus den Tagesstätten Elsenborn, Meyerode und nun auch Hergenrath.
Die Beschäftigten haben in den letzten Jahren viel gelernt und wir haben es geschafft, durch eine gute Arbeitsorganisation auch Menschen mit geringen intellektuellen Fähigkeiten und motorischen Einschränkungen oder mit unangepasstem Sozialverhalten sinnvoll ins Projekt zu integrieren. Wir stoßen aber auch an klare Grenzen bei der Produktivität dieser Arbeitsgruppe, sowohl was die Größe der zu bearbeitenden Flächen angeht als auch bei der Zugänglichkeit der Gebiete. Wir können bei Weitem nicht den eigentlichen Bedarf an Aufträgen im Rahmen der Ankäufe der BNVS abdecken. Als Tagesstätten haben wir die Aufgabe, angepasste Beschäftigungen für Menschen mit schweren Behinderungen zu gewährleisten und wir möchten heute darauf achten, diese Beschäftigungsmöglichkeiten im Rahmen einer möglichen Ausdehnung des Projekts nicht zu verlieren: die Zufriedenheit und Erfüllung, die die Personen bei dieser Arbeit finden, ist nur schwer durch andere Aufgaben zu ersetzen.
Gemeinsam mit den BNVS, dem Naturparkzentrum und anderen Partnern möchten wir uns trotzdem sehr aktiv an der Erarbeitung von langfristigen Konzepten zur Schaffung und zum Erhalt von Naturschutzgebieten beteiligen. Zunächst erleben wir uns als einen Teil der BNVS und sind daher bereit, im Rahmen unserer Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen. Wir durften in den letzten Jahren die schöne Erfahrung machen, von den zahlreichen Mitgliedern der Vereinigung als ganz normale Partner betrachtet zu werden und haben nie das Gefühl gehabt, mitleidig behandelt zu werden: ein wertvoller Schritt in Richtung Integration.

Andererseits wissen wir, dass es in zukünftigen Projekten, durch Beweidung zum Beispiel, einen Bedarf an Arbeitskräften gibt, der von Menschen mit leichten Behinderungen oder Personen, die aufgrund sozialer Ausgrenzung keinen Arbeitsplatz finden können, abgedeckt werden kann und die dafür über neue Finanzierungsmodelle eine Entlohnung erhalten könnten.
Bei Besuchen auf dem Müritzhof im Osten Deutschlands und bei einem Projekt in Beauraing, "LA CALESTIENNE", konnten wir Modelle beobachten, wo diese Menschen im angepassten Rahmen auch technisch anspruchsvollere Arbeiten übernehmen.

So beteiligen wir uns aktiv an der Ausarbeitung eines INTEREGG III-Projektes zur langfristigen Pflege von Naturschutzgebieten und einer naturnahen Landwirtschaft in unserer Gegend. Wir sehen uns dabei nicht als Träger des Projektes, sondern als Partner, der bereit ist, einen Teil der konkreten Ausführung zu übernehmen. In der Behindertenarbeit haben wir Strukturen und Mittel, die zur Realisierung des Projektes beitragen können. Wir müssen eine Bündelung aller Mittel auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene anstreben : Sozialbereich, Beschäftigung, Landwirtschaft und Umweltschutz können gemeinsam Projekte tragen, die ein Umdenken im Umgang mit der Natur bewirken und eine alternative Bewirtschaftung sowohl der Naturschutzgebiete wie auch eines Teils der landwirtschaftlichen Flächen ermöglichen.
Wir können so angepasste und sinnvolle Arbeitsplätze schaffen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag leisten zu unserem gemeinsamen Ziel, dem Erhalt der Umwelt.

Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten in BNVS-Naturschutzgebieten

Die Menschen mit schwereren Einschränkungen aus den Tagesstätten können in diesem erweiterten Rahmen konkrete begrenzte Aufträge übernehmen und weiterhin ein aktiver Teil des Ganzen bleiben.
Wir erhoffen uns auch für diese Gruppe alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für Schlechtwetterperioden und Winterzeit. Diese Personen sind es gewohnt draußen zu arbeiten und sind sehr unglücklich, wenn sie über einen längeren Zeitraum den ganzen Tag im Haus verbringen müssen. Im Winter bleiben sie in der Tagesstätte in Eupen und sägen dort Anmachholz aus kleineren Baumstücken aus den Naturschutzgebieten. Diese Aktivität passt zwar in den Gesamtrahmen des Projektes, bleibt aber in gewissem Sinne eher Arbeitstraining. Nach einer gewissen Zeit zeigen viele Ermüdung und warten sehnsüchtig auf besseres Wetter, um in die Naturschutzgebiete zu fahren und dort eine für sie valorisierende Arbeit verrichten zu können.

Abschließend möchten wir noch einmal betonen, dass die Möglichkeit für Menschen mit einer Behinderung in Naturschutzgebieten zu arbeiten eine wichtige Beschäftigungs- und Integrationsmöglichkeit geworden ist und wir uns wünschen im weiteren Ausbau der Pflegemaßnahmen noch mehr Menschen diese Chance bieten zu können. Im konkreten Austausch mit den BNVS, den politisch Verantwortlichen und allen Beteiligten müssen wir nach Wegen suchen, um so diesen gemeinsamen Traum im Interesse von Gesellschaft und Umwelt zu realisieren.

Kontaktpersonen:
Guy Hagemann und Rainer Franzen
Tagesstätte am Garnstock
Tel.: +32(0)87/59 17 40

Ein Aktikel aus der NaturZeit Nr. 4/2000 von Rainer Franzen


   Letzte Änderung am 14.01.2003 
 Anregungen, Hinweise, etc. bitte an: webmaster@bnvs-ostbelgien.org