Unsere Gartenvögel im Winter
Zählaktion: Wer ist heute zu Gast?
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Auch wenn der vergangene Winter außergewöhnlich mild ausgefallen sein mag, so ist diese Zeit für die meisten Tiere doch die schwierigste im Jahresablauf. Viele sparen ihre Kräfte und halten ihren Atem an in dem sie den Winter regelrecht verschlafen oder in einen Starrezustand verfallen in Hoffnung auf bessere Zeiten.
Bei den Vögeln ist es so geregelt, dass es einige Arten nach Süden in wärmere Breitengrade hinzieht, es sind die sogenannten Zugvögel. Andere warten schon mal ab und fliegen je nach Bedarf in schneefreie Gegenden, wo noch genügend Futter zu finden ist; man spricht von Teilziehern.
Dann gibt es noch die Standvögel, die es nicht anderes gewohnt sind, als hier bei uns zu überwintern und mit dem Nahrungsangebot klar kommen, was in der Natur zu finden ist.
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Grünfinke sind zwar recht häufig, aber seltener zu beobachten als Buchfinke.
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Der Zaunkönig ist einer der kleinsten heimischen Vögel.
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Winterfütterung : Ja oder nein?
Besonders auf das Thema Winterfütterung angesprochen, verfallen die Naturschützer in zwei gespaltene Lager und führen nicht selten heftige Wortgefechte aus, weshalb man sich immer noch nicht auf eine Patentlösung einigen konnte; die es wahrscheinlich auch gar nicht gibt.
Die Gegner beharren auf ihrem Standpunkt, dass durch solche Aktionen ausgerechnet diejenigen Vogelarten begünstigt würden, die in Siedlungsnähe eh ein paradiesisches Leben führen und somit die eher seltenen Arten zusätzlich verdrängen würden.
Befürworter des Vogelfütterns sehen es so, dass hierdurch zwar nicht unbedingt ein Beitrag zum Artenschutz geleistet wird, sich wohl aber hierdurch eine Gelegenheit bietet, den Kontakt zur Natur und zu unseren Mitlebewesen insbesondere für Kinder und älteren Menschen herzustellen oder zu erhalten.
Schließen wir uns dem zweiten Argument an, dass bei einer maßvollen Winterfütterung sich die ausgezeichnete Gelegenheit ergibt, die Wintergäste aus nächster Nähe zu beobachten.
Auch sollte in Betracht gezogen werden, dass die Futtersuche vor dem landwirtschaftlichen Umbruch einfacher war; dass besonders der ländliche Bereich neben Hühnergärten, offenen Scheunen, Misthaufen, Hecken, Brachflächen, ..., vielen Tieren Lebensmöglichkeiten bot, die uns heute fast gänzlich abhanden gekommen sind.
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Kaum eine Vogelart ist bei uns bekannter und beliebter als das Rotkehlchen. |
Wie sollte der Garten gestaltet sein?
Selbstverständlich ist ein naturnah gestalteter Garten (siehe auch NaturZeit N° 28, Mai 2007) das A und O für eine artgerechte Überwinterung unserer gefiederten Gäste. So sollte das Gelände gut strukturiert sein und ein reichhaltiges Angebot für möglichst viele Tierarten bieten.
Heimische, standortgerechte Bäume und Sträucher wie etwa Haselnuss, Holunder, Eberesche, Heckenrose, ... sowie Gräser und Kräuter sichern vielen Vögeln eine breite Palette an Futter- und Nistgelegenheiten; Teiche, Tümpel und Pfützen sind willkommene Trink- und Bademöglichkeiten.
Herbstlicher Laubfall ist kein Abfall ganz im Gegenteil, denn in angelegten Ast- und Laubhaufen finden die Vögel einen an Kleintieren reich gedeckten Tisch.
Noch ein paar Faustregeln
An dieser Stelle soll auch nicht verschwiegen werden, dass eine falsche Fütterung oft mehr schaden als nützen kann. Deshalb möchten wir Ihnen einige Grundregeln ans Herz legen:
Bitte füttern Sie nur bei Dauerfrost oder geschlossener Schneedecke, wenn den Vögeln die natürlichen Futterquellen verwehrt sind. Denn schließlich sollen Wildtiere auch Wildtiere bleiben und sich nicht an einen Restaurantbetrieb gewöhnen. Auch sollte man nicht dem Drang unterliegen, mit dem Nachbarn zu buhlen, um sich durch die Futtermenge die Vögel gegenseitig abzuwerben. Speisereste und Tischabfälle haben an der Futterstelle nichts zu suchen
Zwar ist das traditionelle Futterhäuschen noch immer sehr beliebt, allerdings können durch Kotverunreinigungen Krankheitserreger über die Nahrung aufgenommen werden, die sich dann unter den Vögeln epidemienartig ausbreiten können. Sogenannte Futtersilos kennen dieses Problem nicht, weil keine Verschmutzungen in die Nahrung gelangen können. Auch haben diese Geräte eine Futterreserve, sodass nicht täglich nachgefüllt werden muss und das Angebot somit über mehrere Tage gewährleistet ist.
Der Futterplatz sollte nach Möglichkeit regen- und schneegeschützt sein. Auch sollte er soviel Freiraum haben, dass heranschleichende Katzen von den Vögeln gesehen werden können, damit sie sich dann schnell in Sicherheit bringen können. Deshalb sollten sich in der Nähe einige wehrhafte Sträucher befinden wie etwa Weißdorn oder Schlehe.
Ein reichhaltiges Nahrungsangebot soll möglichst vielen Vogelarten über den Winter verhelfen. Finken haben kräftige Schnäbel und können Sonnenblumenkerne und andere hartschalige Sämereien ohne weiteres Knacken.
Fettknödel (gekauft oder auch selber hergestellt), Futterglocken und Meisenringe werden gerne von Vögeln mit zarteren Schnäbeln angenommen
Unbehandeltes Obst, auch leicht angefault, wird besonders von Rotkehlchen, Drosseln und Amseln verzehrt.
Futterhölzer sind Aststücke, die mit Futtermischung gefüllten Löchern versehen und in Bäumen aufgehängt, gerne von Specht, Kleiber und Meise aufgesucht werden.
Aktion : „Wer ist heute zu Gast?“
Seit einigen Jahren führt Natagora Anfang Februar die Zählaktion „Wer ist heute zu Gast?“ (Devine, qui vient manger chez nous aujourd’hui ?) durch, mit dem Ziel, sich ein Bild von der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern zu machen. Hierfür erfolgt ein Aufruf an alle Naturfreunde, während zwei Tagen nach einem bestimmten Schema die Vögel im eigenen Garten und am Futterhäuschen zu beobachten und zu zählen. Diese Angaben werden dann in einem dafür vorgesehenen Fragebogen eingetragen und an NATAGORA weitergeleitet, welche dann von Ornithologen ausgewertet werden.
Zum Beobachten ist ein Fensterplatz geeignet, von wo aus man die Vögel ungestört beobachten kann; ein Fernglas sowie ein Vogelbestimmungsbuch sind angeraten.
Wer sich beteiligen möchte, kann Zusatzinformationen sowie Aktionsblätter im BNVS-Sekretariat erhalten.
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Überwiegend nimmt der Eichelhäher pflanzliche Nahrung zu sich.
Seinen Namen erhielt er, weil Eicheln seine Lieblingsnahrung sind. |
Die häufigsten Arten am Futterhaus
Als kleine Hilfestellung für die oben genannte Aktion oder einfach nur zur allgemeinen Information möchten wir an dieser Stelle einige Vogelarten beschreiben, wobei wir uns aber aus Platzgründen auf die in den Gärten unserer Gegend am häufigsten vorkommenden Arten beschränken.
Lebhaft und keck: die Blaumeise
(Parus caeruleus)
Sie ist die kleinere Schwester der Kohlmeise und ein häufiger Gast in unseren Gärten, sobald dort ein paar ältere Bäume stehen. Blaumeisen fehlt auf dem Bauch der markante schwarze Streifen der Kohlmeisen. Stattdessen fallen bei ihr das blaue Käppchen über dem weißen Gesicht, ein schwarzer Augenstreif und ebenfalls blau gefärbten Flügel- und Schwanzfedern ins Auge. Jungvögel sind matter gefärbt und wirken mit ihrer grünlichen Kappe und gelblichen Wangen ein wenig schmuddelig gegenüber ihren Eltern.
Blaumeisen sind sehr lebhaft. Ständig in Bewegung hangeln sie oftmals kopfunter selbst an dünnen Zweigen.
Wo ältere Baumbestände fehlen, nehmen sie sehr gerne Nistkästen an.
Die größte unter den Meisen: die Kohlmeise
(Parus major)
Die Kohlmeise gehört sicherlich zu den bekanntesten und beliebtesten Vogelarten in unseren Gärten. Intelligent, anpassungsfähig und frech wie sie ist, kommt sie mit ihren menschlichen Nachbarn prima zurecht. An ihrem schwarz-weißen Kopf, der gelben Unterseite und dem markanten Bauchstreifen ist sie leicht zu erkennen und mit ihrer Stimme kaum zu überhören.
Mit ihrem kräftigen Schnabel kann sie sogar Eicheln, harte Eibensamen und Galläpfel aufknacken.
Gekröntes Haupt: die Haubenmeise
(Parus cristatus)
Als Nadel- und Mischwaldbewohner kommt sie in fast ganz Europa vor. Bei waldnahen Siedlungen sucht sie im Winter nicht selten Futterstellen auf und ist dort durch ihre auffällige Haube und der schwarz-weißen Kopfzeichnung unverkennbar gegenüber anderen Meisenarten.
„pink-pink“: der Buchfink
(Fringilla coelebs)
Der spatzengroße Buchfink ist ein echter Schönling, zumindest was „Herrn“ Buchfink angeht. Das Männchen hat einen blaugrauen Kopf, eine rosigbraune Brust, sehr auffallendes Weiß am Schulterband, am schmalen Flügelstreif und an den äußeren Schwanzfedern. Die Farben sind im Winter aber etwas matter.
Dem Weibchen fehlen die leuchtenden Farben des Männchens, es ist jedoch am gleichen Muster an Flügeln und Schwanz erkennbar.
Fehlt in keiner Landschaft: der Grünfink
(Carduelis chloris)
Zwar recht häufig, aber seltener zu beobachten als der Buchfink bewohnt der Grünfink (auch Grünling genannt) weite Landstriche und ist eher in den höheren Etagen der Bäume anzutreffen; zur Nahrungssuche (Wildkrautsamen) sieht man ihn aber auch oft in Bodennähe und am Futterhaus ist er häufiger Gast. Seine Gefiederfarbe hat ihm zu seinem Namen verholfen: gelbgrüne Unterseite mit olivgrüner Oberseite
Aus dem hohen Norden: der Bergfink
(Fringilla montifringilla)
Zwar nicht bei uns beheimatet, ist er doch während den Wintermonaten relativ häufig in größeren Trupps zu beobachten. Dabei suchen sie besonders alte Buchenbestände auf, finden sie hier jede Menge ihrer Lieblingsspeise: die Buchecker. Ähnlich sehen sie dem Buchfink, mit dem sie sich im Winter oft vergesellschaften, jedoch kontrastreicher mit schwarz und rostorange; die Weibchen sehen eher graubraun aus.
Als Spatz bekannt: der Haussperling
(Passer domesticus)
Überall dort, wo es etwas zu erhaschen gibt, ist er anzutreffen. Zwar sind ihre Bestände ziemlich rückläufig, weil viele Nahrungsquellen (Hühnergehege, Getreidescheunen, ...) versiegt sind, aber dort, wo sie noch vorkommen, machen sie durch ihr lautes „Schilp-schilp“ auf sich aufmerksam und sind dann auch meistens im Trupp vor Ort.
Das Männchen hat eine blassbraun geränderte aschgraue Kopfplatte, weiße Wangenflecken und eine schwarze Kehle. Das Weibchen und die Jungvögel sind unauffälliger gefärbt und tragen nicht das Grau und Schwarz des Männchens.
Allerweltsvogel auf dem Rückzug: der Feldsperling
(Passer montanus)
Viel seltener anzutreffen ist der nächste Verwandte des Haussperling; der Feldsperling. Durch Flurbereinigung und die Entfernung von Feldgehölzen ist er in den vergangenen Jahrzehnten sehr rar geworden.
Beim ihm sind alle Familienmitglieder gleich gefärbt, ob Männchen, Weibchen oder Jungvogel. Sein wichtigstes Erkennungszeichen, und daher gut vom Haussperling zu unterscheiden, ist der schokoladenbraune Oberkopf, der schwarze Ohrfleck in der weißen Backe und ein kleiner schwarzer Kinnfleck.
Der Polizist im Wald: der Eichelhäher
(Garrulus glandarius)
Wenn auch eher als Bewohner von Waldgebieten bekannt, wagt sich der Eichelhäher während besonders harten Wintern nicht selten in baumreiche Vorgärten auf der Suche nach Nahrung.
Taucht er an Winterfutterplätzen auf, dann machen sich die kleineren Vögel schnell „vom Acker“ . Dort füllt er seine geräumige Kehltasche mit allerhand Sämereien, was das Zeug nur so hält.
Die blau-schwarzen Flügelspiegel sind für den sonst rötlich-braunen Vogel sein Markenzeichen. Der schwarze Bartstreif, der weiße Bürzel sowie die hellblauen Augen sind ein weiteres Erkennungsmerkmal.
Nicht zu übersehen: der Gimpel
(Pyrrhula pyrrhula)
Nicht umsonst trägt er seinen Beinamen „Dompfaff“ , erinnert das Männchen mit seinem roten Federkleid und seiner schwarzen Kappe eben an diesen Kirchengeistlichen. Er ist die auffallendste Erscheinung unter unseren heimischen Vögeln und macht oft durch sein angenehm klingendes melancholisches „pju“ schon auf sich aufmerksam ehe man ihn zu Gesicht bekommen hat. Das Weibchen ist eher unauffällig grau mit ebenfalls schwarzer Kappe, was den Vorteil hat, dass es beim Brüten nicht so schnell von Feinden ausfindig gemacht wird.
Ein Einzelgänger: das Rotkehlchen
(Erithacus rubecula)
Als nicht scheu aber unauffällig könnte man ihn bezeichnen, hüpft er immer ziemlich in Bodennähe im Gestrüpp herum. Und seine rostig orangefarbene Stirn, Wangen und gesamte Brust haben ihm zu seinem Namen verholfen; der Rest des Körpers ist in blau-grau gehalten. Man sieht ihn mit Ausnahme der Paarungszeit immer nur alleine.
Arbeitet gerne mit Lehmputz: der Kleiber
(Sitta europaea)
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Seinen Namen verdankt er dem Umstand, dass er den Eingang seiner Bruthöhle mit Lehm verklebt (Kleber Kleiber), damit keine größeren Vögel als nur er hindurch passt. Er ist ein begnadeter Kletterer und auch der einzige heimische Vogel, der mit dem Kopf nach unten an Baumstämmen hinunter gehen kann. Sein Federkleid besteht aus blaugrau auf dem Rücken und rostfarbener Unterseite sowie der markante Augenstreif und die helle Kehle machen ihn unverkennbar. |
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Wer trommelt denn da? : der Buntspecht
(Picoides major)
Häufigste Spechtart in Europa bewohnt er ältere Laub- und Nadelwälder. Auf Nahrungssuche kommt er während den Wintermonaten näher an die Siedlungen heran und kann oft an Futterstellen beobachtet werden. Sein im Frühjahr von weither klingendes Trommeln, der typische Wellenflug sowie sein Aussehen machen ihn zur Ausnahme: sein schwarz-weiß gescheckter Rücken mit zwei großen weißen Schulterflecken, Unterschwanzdecken hellrot, der Scheitel beim Männchen ist leuchtend rot.
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Klein, aber oho!: der Zaunkönig
(Troglodytes troglodytes)
Er ist neben dem Goldhähnchen einer der kleinsten heimischen Vögel, hat aber für seine Größe die lauteste Stimme. Ständig in Bewegung, hält er sich in der Regel im dichten Gestrüpp auf und hat ihm durch dieses Verhalten zu seinem Namen verholfen. Eine ganz typische Eigenart ist der bei Erregung über dem Rücken aufgestelzte Schwanz. Ansonsten ist er mit seiner rötlich-grauen Befiederung eher unauffällig.
Ein Virtuose: die Amsel
(Trudus merula)
Meist in der Abenddämmerung im Frühjahr und Sommer auf hohen Warten sitzend trägt die Amsel ihre melodisch feierlich vorgetragenen manchmal etwas traurig klingenden Lieder vor. Das Männchen ist pechschwarz mit orangegefärbtem Schnabel; das Weibchen unauffällig stumpfbraun gefleckt. Hauptsächlich tierische Nahrung (Würmer, Schnecken, ...) wird fast ausschließlich vom Boden aufgenommen; aber auch Pflanzenkost jeder Art von Früchten und Beeren sowie Sämereien werden nicht verschmäht. Im Winter kann man sie oft unter Futterstellen beobachten, wo sie heruntergefallenes Körnerfutter aufnehmen.
Text : Helmut Hahn

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