Startseite

+über uns

+NATAGORA

+News & Projekte

+Mailing

+Kontakt

+UmWeltBildung

+Naturschutz-
gebiete

+Veranstaltungen

+naturZEIT

-Die verlorene
Streuobstwies'?

-Wo die wilden
Kräuter wohnen

-Eine heimliche Grenzgängerin
die Wildkatze in der Eifel

-Unsere Gartenvögel
im Winter

-Artenvielfalt durch
extensive Bewirtschaftung

-Naturnaher Garten

-Auf Spurensuche

-Naturpark

-Flussvertrag Amel

-Mensch
+Natur
+Kunst

-Flussperlmuschel

-Landschaftspflege

-Ältere Beiträge

+Sponsoring

+Naturschutz-
Links


 En Français-
 

+Réserves
naturelles

 
naturZEIT-Dossier


Artenvielfalt durch extensive Bewirtschaftung



Buchenwälder wären in unserer Gegend ohne menschlichen Eingriff ein alltäglichesBild
© F. Wagener

In den Bachtälern hatten Erlenwälder ihren abgestammten Platz, das ist heute leider nicht mehr oft der Fall
© Naturpark

...

Hätte der Mensch nicht in unsere Landschaft eingegriffen, so wäre unsere Region größtenteils bewaldet. Buchen oder auf nassen Standorten Erlen stellten die natürliche Vegetation dar.
Die Römer rodeten noch vergleichsweise kleine Flächen und aufgrund des rauen Klimas und der unfruchtbaren Böden bevorzugten sie andere Siedlungsgebiete wie die Mosel oder die Kalkeifel. Merowinger, Karolinger und Ottonen sorgten vom sechsten bis zum zehnten Jahrhundert für eine stärkere Besiedelung, und das Bevölkerungswachstum (900-1200 n. Ch.) erhöhte den Druck auf die bewaldeten Flächen.
Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert benötigte die aufblühende Metall-, Leder- und Tuchindustrie weiterhin große Mengen Holz und so ging es den Wäldern in unserem Gebiet immer stärker an den Kragen. Anfang des 19. Jahrhunderts erreichte die Rodung der Wälder dann seinen letzten Höhepunkt und die Fichte hielt ihren Einzug in unsere Gegend.
Durch Brandrodung und Nährstoffentzug entstanden große Heideflächen.
Mit größerer Entfernung von den Dörfern nahm die Nutzungsintensität jedoch ab, mit Ausnahme der Bachtäler, die zu dieser Zeit als Wässerwiesen genutzt wurden.
So entstanden die Bärwurzwiesen, auf denen manchmal noch heute die alten Flüxgräben sichtbar sind.

Bärwurz, war früher oft auf Wässerwiesen vorzufinden.
© Naturpark

Durch Brandrodung entstanden auf vielen Gebieten Heideflächen, heute sind sie selten geworden.

Landschafts- und Artenerhaltung

Lange Rede, kurzer Sinn: die heute geschützten Gebiete sind größtenteils durch menschliche Nutzung entstanden. Um diese Kulturlandschaft und die mit ihr einhergehenden Arten weiter aufrecht zu erhalten, ist eine weitere
Bewirtschaftung nötig, denn sonst holt sich der Wald leise wieder seinen Lebensraum zurück und viele Arten des Offenlandes haben dann keine Chance mehr.
Heute geschützte Biotope, wie Magerrasen, Heideflächen, Knöterich- und
Bärwurzwiesen sind somit Zeugen unserer Landnutzung, doch diese hat sich mit der Mechanisierung der Landwirtschaft und der Einführung des Kunstdüngers entscheidend geändert.

Die Flurbereinigung hat ihren Einzug gehalten.

Verdrängung durch Stickstoff

Da die landwirtschaftlichen Maschinen mit der Zeit immer größer geworden sind, werden unzugänglichere Parzellen, wie z.B. in den Hanglagen der Bachtäler, heute im Normalfall selten gemäht. Die Düngung hat den stickstoffliebenden Pflanzen mehr Raum geschaffen und diese haben die an nährstoffarme Böden angepassten Pflanzen, wie z.B. Orchideen, Arnika, Ruchgras u. a. verdrängt.


Das Sumpfblutauge bevorzugt nasse Wiesen.
© Naturpark

Um diese Biotope zu erhalten, müssen folglich Maßnahmen getroffen werden. Welche Bewirtschaftung nun die Sinnvollste ist, bleibt meistens eine Streitfrage. Es hängt immer davon ab, um welches Biotop es sich handelt und was machbar ist.

Mädesüß auf Hochstaudenfluren ist ein Anzeiger für nicht überdüngte Böden, bedrohtihre Ausdehnung jedoch bspw. eine Wiese mit Herbstzeitlosen, dann kann durch frühe Mahd ihre Ausdehnung verhindert werden.
© Naturpark
Herbstzeitlosen an der Warche
© L. Hodiamont

Nutzung auf die Arten abstimmen

Auf einer Heide herrschen andere Voraussetzungen als auf einer Talwiese und manche Flächen sind durch intensive Nutzung in der Vergangenheit nicht mehr so artenreich wie erhofft. Auch ist es ein Unterschied, ob nur eine offene Landschaft angestrebt wird, um Wiesenbrütern wie bspw. dem Braunkehlchen oder dem Wiesenpieper einen Lebensraum zu geben, oder ob einzelne Pflanzen, wie z.B. Knabenkraut, Heide, Bärwurz u.a. gefördert werden sollen. Je spezifischer das Ziel ist, umso genauer muss die Nutzung auf die Bedürfnisse der Arten abgestimmt sein. Mehrere Möglichkeiten der Bewirtschaftung stehen zur Auswahl, alle haben jedoch ihre Vor- und Nachteile.

Heiden und Moore

Der Heiden- und Moorschutz hat in manchen Gegenden schon eine lange Tradition, und so ist die Meinung über die durchzuführenden Maßnahmen etwas einheitlicher als es bei anderen Biotopen der Fall ist. Nach durchgreifenden Maßnahmen wie Wiedervernässung und der Entkuselung (Entfernen der Bäume und Büsche auf degenerierten Torfmoos- und Heideflächen) verbuschter Flächen bedrohen wiederaustreibende Birkenstöcke, Jungbirken und Pfeifengras das Wollgras, die Heide und die Torfmoose.

Auf solchen Fläche kann eine Entbuschung neues Leben verleihen. © Naturpark

Dienste durch Schafsbeweidung

Traditionell in diesen Gebieten verankert, kann die Schafsbeweidung hier gute Dienste verrichten. Durch den häufigen Verbiss haben austreibende Bäume und Setzlinge kaum eine Chance. Auch Ziegen kommen für diese Aufgabe in Frage, wichtig ist nur wie robust die Rassen sind. So werden in der Lüneburger Heide vor allem Heidschnucken und im Hohen Venn die Ardenner Fuchskopfschafe genutzt, da sie dem rauhen Klima angepasst sind.

Ardenner Fuchskopfschafe
© Natupark

Schwieriger wird es wenn diesen Flächen lange Zeit nicht gepflegt wurden und das Pfeifengras in Bulten (Horsten oder Hügeln) hoch wächst. Schafe haben dann alleine keine Chance diesem Torfzerstörer Herr zu werden, da die neuen Triebe in den Bulten vor Verbiss geschützt sind. Durch Brand oder Mahd kann man in diesem Fall den Schafen zu Hilfe kommen. Im Falle einer Mahd müssen die Flächen jedoch geräumt werden. Danach können die Schafe ihrer Arbeit als Naturpfleger nachgehen.

Wiesen oder Weiden?

Bei der Frage nach Mahd oder Beweidung gehen die Meinungen meist stark
auseinander. Je nach der Pflegeform etablieren sich unterschiedliche
Lebensgemeinschaften. Durch Beweidung und Mahd werden jeweils bestimmte Tier- und Pflanzenarten gefördert, andere eher zurückgedrängt. Eine pauschale Einstufung von Mahd und Beweidung als bessere oder schlechtere Alternative ist nicht gerechtfertigt. Alles hängt von den Prioritäten und den langfristigen Entwicklungszielen sowie der Standortsituation ab, und so ergibt sich eine unterschiedliche Bewertung dieser Nutzungen bzw. Pflegeformen.
Auf beweideten Flächen werden durch den Verbiss und den Tritt bestimmte
Pflanzenarten gefördert, andere dagegen dezimiert. Im Vorteil sind Pflanzen, die sich ungeschlechtlich vermehren können (durch Seitentrieb, Ausläufer) und die ihre Blätter dicht am Boden tragen, sodass diese nicht abgefressen werden, wie z.B. bei Wegerich, Löwenzahn, u.a. Weiden sind im Vergleich zu Wiesen bei intensiver Bewirtschaftung artenärmer; es herrschen Untergäser vor. Ein weiterer Nachteil der Beweidung ist der langsamere Nährstoffentzug, denn 70 Prozent der Nährstoffe werden den Flächen wieder durch den Kot zugeführt.

Galloways bei der Arbeit
© BNVS

Gen- und Artenaustausch durch Beweidung

Andererseits übernimmt Beweidung eine wichtige Funktion im Biotopverbund. Durch den Transport von Samen, in selteneren Fällen auch von kleineren Tieren, kann Weidevieh bei einer rotierenden Beweidung die Verbreitung von Arten zwischen einzelnen Gebieten fördern. Dieses kann für den Gen- und Artenaustausch zwischen isolierten Flächen von großer Bedeutung sein.
Die Mahd kann, insbesondere bei zu späten Mahdzeitpunkten, eine Versäumung und Vergrasung der Bestände bewirken. Niedrigwüchsige oder konkurrenzschwache Arten werden dadurch auf Dauer stark zurückgedrängt; dagegen profitieren hochwüchsige, spät blühende Arten wie z.B. die Kuckuckslichtnelke oder Baldrian.
Zur besseren Nutzung der Mahd als Pflegemaßnahme in Naturschutzgebieten, können die Mahdzahlen Aufschluss geben.

Hier wäre mit den herkömmlichen Maschinen kaum ein Arbeiten möglich;
es muss also Hand angelegt werden.
© Naturpark

Dem Einen recht, dem Anderen schlecht

Nicht alle Pflanzen vertragen das Mähen gleich gut, und im Wettbewerb werden die weniger empfindlichen Pflanzen, z.B. Gänseblümchen (die durch ihre am Boden liegende Blattrosette kaum von der Mahd beeinträchtigt werden) bevorzugt. Die Abstufungen, die zwischen den verschiedenen Lebensräumen, bestehen, z.B. Wald-Offenland-Übergänge oder lichte Gehölzstrukturen, sowie Kleinstrukturen, z.B. Ameisenhaufen, können durch Mahdpflege nicht erhalten werden. Dagegen entstehen auf Mahdflächen im Sommer oft attraktive Blütenwiesen.

Knöterichwiese mit Knabenkraut © Naturpark

Allgemein gilt, je häufiger die Nutzung umso kleiner die Artenanzahl.
Eine Ausmagerung (Stickstoffentzug) des Bodens ist durch die Mahd einfacher zu erreichen, jedoch ist die Strukturvielfalt (verschiedene Kleinbiotope) auf beweideten Flächen höher.

Den Waldstorchenschnabel findet man auf Wiesen und Weiden in der Nähe von Waldrändern.
© Naturpark

Seitenanfang

   Letzte Änderung am 25.04.2008 
 Anregungen, Hinweise, etc. bitte an: webmaster@bnvs-ostbelgien.org