Auf Spurensuche
Kleine wildlebende Säugetiere sind schwierig zu beobachten. Allgemein sind sie eher ängstlich und verstecken sich tagsüber. Glücklicherweise hinterlassen sie Spuren. Um diese Spuren geht es in dem folgenden Artikel und das aus einem ganz bestimmten Grund. |
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Wie schon im Interview erwähnt, führt die Universität Lüttich im Auftrag der Wallonischen Region eine Bestandsaufnahme der kleineren Säugetiere durch. Die "Mission Säugetiere" befasst sich mit folgenden Arten: Spitzmäuse, d.h. Wasser-, Sumpf-, Feld-, Wald- und Schabrackenspitzmaus. Weiter sind von Interesse die Schlafmäuse, zu denen der Siebenschläfer, der Gartenschläfer und die Haselmaus gehören. Auch die Marderartigen, d.h. Wald- und Steinmarder, Iltis, Mauswiesel und Hermelin werden in diesem Inventar erfasst. Nicht zuletzt sind auch Igel, Eichhörnchen und Dachs einbegriffen.
Da diese Mission sehr umfangreich ist, wird wohl allen klar sein, dass die Forscher der Universität Lüttich diese Arbeit nicht alleine bewältigen können. Die Forstbeamten sind in diese Arbeit mit eingebunden, doch jede weitere Hilfe ist herzlich willkommen.
Vielleicht kann sogar noch weiter gegangen werden, dies ist eine Bitte um Mitarbeit, jedoch kein Aufruf unsere heimische Fauna in Angst und Schrecken zu versetzen. Gesucht werden Kot, Nahrungsstellen mit Fraßspuren, z.B. abgenagte Fichtenzapfen beim Eichhörnchen, Fährten und Spuren, sowie Kadaver. Alle Informationen ermöglichen eine genauere Einschätzung der heutigen Bestände und ihrer Entwicklung. So können in Zukunft hoffentlich Bestandsrückgänge (wie z.B. beim Igel) frühzeitig festgestellt werden.
Es wird wohl jedem einleuchten, dass die Suche und Aufzeichnung dieser Spuren einer einheitlichen Methode folgen muss um auswertbar zu sein. In der Hoffnung, dass eine solche Spurensuche auf Interesse stößt, hier einige Erklärungen zu den gesuchten Hinweisen für die verschiedenen Säuger.
Eichhörnchen
Nimmt man die Entwicklung der Eichhörnchenbestände in der Wallonie unters Auge, so fallen die Unfallopfer als erstes ins Auge, denn jeder hat wohl schon ein totes Tier am Straßenrand entdeckt. Dies ist eine Möglichkeit der Informationssammlung, wenn auch etwas deprimierend. Die zweite Möglichkeit, nämlich eine aktive Spurensuche, bietet mehr Einblick in die Verbreitung des Eichhörnchens.
 Guten Appetit! |
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Reste einer Mahlzeit
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Fährten:
Die Vorderpfoten hinterlassen Abdrücke von 4 cm Länge auf 2 cm Breite mit 4 Fingern (der Daumen ist sehr kurz).
Die Hinterpfoten lassen einen Abdruck von 5 cm Länge auf 2,5 bis 3,5 cm Breite. Fünf Zehen mit Krallen sind erkennbar.
Der Abstand zwischen den Sprüngen variiert von 30 cm bis zu 1 m und die 4 Pfotenabdrücke sind immer gruppiert. |
Kot:
Kleine kugelförmig, etwas abgeflachte Kotbällchen meist aus Pflanzen- und Insektenresten zusammengesetzt.
Nahrungsreste:
Abgenagte Zapfen sind an der Basis spitz abgefressen, die Schuppen sind abgerissen, nur am Ende bleibt eine Spitze.
Nüsse werden von den Eichhörnchen gespalten. Weitere Fraßspuren kann man an Ästen, Rinde oder Pilzen finden. |
Um die Bestandsentwicklung verfolgen zu können, sind Informationen unbedingt erforderlich. Jeder Spurensucher legt in diesem Fall 10 Stichprobenstrecken von jeweils 500 m fest, die auf einer Karte verzeichnet werden. Beim Abgehen einer Strecke im Nadelwald werden bis zu 2 m links und rechts des "Weges" nach Spuren abgesucht. Jeder Fundort wird eingetragen und beschrieben, z.B. Fraßspur, usw. Im Laubwald sind die Nahrungsplätze nicht so einfach zu entdecken, hier ist eine Kartierung der Nester im Herbst und Winter die einfachste Methode. Alle gefundenen Hinweise werden in einem Formular beschrieben (mit Datum, Ortsangabe, usw.) und auf einer Karte vermerkt.
Marderartige (Wald- und Steinmarder, Iltis, Mauswiesel und Hermelin)
Bis zum heutigen Tag gibt es in der Wallonischen Region keine Angaben zu den Beständen der Marderartigen (außer für den Otter und den Dachs).

Ein Hermelin im Sommerkleid

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Die einzelnen Arten sind meist auf Grund der Größenunterschiede der Spuren zu bestimmen.
Fährte:
Die Abdrücke sind aus 5 Zehen mit dazugehörenden Krallenabdrücken und dem Ballen zusammengesetzt. Die Hinterpfoten weisen neben dem Ballen auch noch einen Nebenabdruck auf.
Kot:
Zylindrisch und spiralförmig, grau bis schwarz, meist wird der Kot an erhöhten Flächen abgelegt. |
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| | Marder | Iltis | Hermelin | Wiesel |
| Vorderpfote | L 3,5 cm B 3,2 cm | L 2-3,5 cm B 2-2,5 cm | L 2-2,5 cm B 1,5 cm | L 1,5 cm B 0,7-1 cm |
| Hinterpfote | L 4 cm B 3 cm | L 4-4,5 cm | L 3,5 cm B 1,3 cm | Kein Unter- schied |
| Sprungweite | 40-100 cm | 35-60 cm | 20-70 cm | 15-50 cm |
Kot (Länge- Durchmesser) | L 8-10 cm D 1,2 cm | L 5-8 cm D 0,9-1,2 cm | L 3-4 cm D 0,2-1 cm | L 3-4 cm D 0,2-1 cm |
Auch für dieses Bestandsverzeichnis werden Wanderer gesucht. Die Beobachtungsstrecke sollte mindestens 5 km betragen und sich über verschiedene Biotoptypen erstrecken, z.B. Laub- und Nadelwald sowie Offenlandflächen. Die Aufnahmen sollten dreimal jährlich erfolgen, einmal im März-April, dann im Juli-August und ein letztes mal im Oktober-November. Alle Indizien werden aufgenommen und mit Datum und Fundort in einem Formular vermerkt. Exkremente und Knochenreste werden aufgesammelt und einzeln in Plastikbeutel verstaut. Auch hier sind Datum, Fundort, usw. wichtige Angaben, damit diese Funde ausgewertet werden können. Ansprechpartner sind Vinciane Schockert (0475/528370) und Samuel Vanderlinden (0477/509730) von der Universität Lüttich, die sich um den Transport kümmern können (z.B. manche Funde können verschickt werden, andere werden abgeholt). Damit die Fundstücke nicht verwesen, ist es ratsam sie einzufrieren, falls die Möglichkeit besteht.
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Junger Baummarder beim Aufstieg |
 Ein Iltis schaut wachsam durch die Gegend
Igel
Zur Überwachung der Igelbestände ist eine wichtige Maßnahme die Kontrolle der "Unfallopfer". Viele Igel fallen dem Verkehr zum Opfer und auch diese Angaben können Aufschluss geben über die Bestandsdichte in einer Gegend. Weitere Spuren, wie z.B. Kot usw. können zusätzlich Anhaltspunkt sein. Dies aber auch nur, wenn Orts- und Datumsangaben so genau wie möglich sind.

 | Fährte:
Vorder- und Hinterpfote mit 5 Zehen, Länge und Breite der Abdrücke ist gleich, 2,5 cm auf 2,8 cm. Durch die Stellung der Zehen sind Vorder- und Hinterpfote jedoch leicht zu unterscheiden. Die Schrittlänge beträgt 20 bis 25 cm.
Kot:
Die Länge kann variieren von 3 bis 4 cm, manchmal mehr bei einer Breite von 8 bis 10 mm. Meist sind sie schwarz glänzend (durch die Insektenreste). |

Für den Igel besteht noch kein Aufnahmeprotokoll; somit beschränken sich die Beobachtungen auf die Unfallopfer. Die Angaben der überfahrenen Igel geben eine erste Auswertung, bei Weiterführung der "Mission Säugetiere". Ab nächstem Jahr werden Spurenfallen aufgestellt um weiter Informationen zu sammeln.
Schlafmäuse
 Eine Haselmaus bei der Ausschau vor ihrem Nest

Eine weitere Gattung, die selten Aufmerksamkeit erregt, sind die diskreten Schlafmäuse (Haselmaus, Garten- und Siebenschläfer). Sie leben eher in bewaldeten Gebieten auch wenn man sie in seltenen Fällen in der Nähe von Wohnhäusern finden kann. Die einfachste Möglichkeit, ihre Anwesenheit festzustellen: man bietet ihnen Nistkästen an. Im Frühjahr kann man feststellen, ob dieses Angebot angenommen wurde. Meisennistkästen eignen sich in diesem Fall für alle, außer für den Siebenschläfer. Die meisten bislang bekannten Informationen über die Schlafmauspopulationen wurden durch die Kontrolle von Meisennistkästen gesammelt. Eine weitere Möglichkeit bietet aber auch die Untersuchung von Gewöllen der Schleiereulen, denn bei den Eulen stehen auch gelegentlich Schlafmäuse auf dem Speisezettel. Die Spurensuche ist in diesem Fall jedoch eher hoffnungslos, denn die kleinen Nager balancieren meistens von Ast zu Ast. Nur selten kann man Spuren entdecken, die dann auch nur von einem Baum oder Busch zum anderen führen. Für eifrige Spurensucher gibt es aber auch etwas zu tun, denn die Haselmaus hinterlässt an ihrer Leibspeise, den Haselnüssen, spezifische Fressspuren, die von geschultem Auge gut von anderen Fraßspuren zu unterscheiden sind. Um an die Nüsse zu kommen nagt die Haselmaus ein kleines Loch in die Schale und erweitert es dann an der Kante. So entsteht ein rundes Loch mit parallelen Nagespuren an der Kante. In Sachsen und Schleswig-Holstein ist von Biologen schon eine "Nussjagd" durchgeführt worden (Infos unter www.nussjagd.de). Die gesammelten Nussschalen wurden untersucht und so konnte der Verbreitungsgrad der Haselmaus für diese Länder bestimmt werden. Die Uni Lüttich möchte nun versuchen im kommenden Jahr in Zusammenarbeit mit Schulen und Zentren für Naturpädagogik eine solche Sammlung durchzuführen.

Für weitere Informationen steht die Abteilung für Zoogeographie der Universität Lüttich gerne zur Verfügung. Die Formulare (bisher nur eine französische Ausgabe) für die verschiedenen Inventare findet man auf der Internetseite http://www.zoogeo.ulg.ac.be
Es bleibt nun zu hoffen, das demnächst viele Spurensucher durch Eifel und Ardennen streifen und die ein oder andere freudige Entdeckung machen.
Text: Stephanie Terren
Photos: R. Libois, V. Schockert, Universität Lüttich
Abbildungen Spuren: Bouchner, M. (1982) Guide des traces d'animaux
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