Der Naturpark Hohes Venn - Eifel feiert Geburtstag
Bei einer Fahrt durch den Osten Belgiens trifft man immer wieder auf große Tafeln und Schilder, die auf den Naturpark Hohes Venn-Eifel aufmerksam machen. Für Touristen und Besucher aus den umliegenden Regionen ist dieser Name durchaus auch ein Begriff. Innerhalb seiner Grenzen ist die Definition des Naturparks für seine Einwohner jedoch anscheinend nicht so klar. Somit bietet der 35. Geburtstag vielleicht eine Gelegenheit, auch die Einwohner und Nachbarn über die Aufgaben und die vielen Möglichkeiten zu informieren, die der Naturpark bietet.

Der Naturpark Hohes Venn-Eifel © Perspectives
Unterschied zwischen Naturpark Hohes Venn-Eifel und Naturschutzgebiet Hohes Venn
Wegen der häufigen Verwechslung zwischen dem Naturpark Hohes Venn-Eifel und dem Naturschutzgebiet Hohes Venn ist es interessant, den Unterschied nochmals in Erinnerung zu rufen:
- In einem Naturschutzgebiet gibt es keine Dörfer oder Bauten, und es werden nur die Maßnahmen geduldet, die zur Erhaltung oder Aufbesserung des Lebensraums dienen.
- In einem Naturpark gibt es Dörfer, menschliche Aktivitäten sind erlaubt und es gilt, letztere mit Natur und Umwelt in Einklang zu bringen.
Das Naturschutzgebiet Hohes Venn erstreckt sich über 4 500 ha. Dieses Gebiet wird von der Wallonischen Region, Abteilung Natur und Forsten, verwaltet.
Der Naturpark Hohes Venn-Eifel hingegen dehnt sich über 70.000 ha aus, d.h. von Eupen bis zur Luxemburgischen Grenze. Es handelt sich somit um Teilgebiete der 12 folgenden Gemeinden: Burg-Reuland, St. Vith, Amel, Büllingen, Bütgenbach, Weismes, Malmedy, Stavelot, Jalhay, Baelen, Eupen und Raeren. Bei der Gründung wurden die dicht besiedelten Gebiete umgangen und so erklärt es sich, dass keine Gemeinde vollständig im Naturpark enthalten ist. Im Gegensatz zu den Naturschutzgebieten wird der Naturpark von einer Verwaltungskommission geleitet, die sich aus Vertretern der Provinz, Gemeinden, der Forstverwaltungen und vielen anderen Organisationen zusammensetzt.
Historischer Hintergrund
• 1971 : Entstehung des deutsch-belgischen Naturparks Hohes Venn-Eifel durch ein internationales Abkommen zwischen dem Königreich Belgien und den Ländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen; Bildung der deutsch-belgischen Kommission
Von den 9 Naturparks ist der Naturpark Hohes Venn-Eifel somit der älteste; die anderen entstanden alle nach 1985 (Dekret über Naturparks).
Bildung der VoG Naturpark Hohes Venn-Eifel, mit der Provinz Lüttich als Träger
• 1978 : Anerkennung des Naturparks durch einen ministeriellen Erlass
• 1984 : Eröffnung des Naturparkzentrums Botrange - Haus des Naturparks Hohes Venn-Eifel
• 1985 : Dekret der Wallonischen Region über Naturparks und ihre Verwaltung, mit Bestätigung des Naturparks Hohes Venn-Eifel.
Die ersten Schritte und die weitere Entwicklung:
Da der Naturpark Hohes Venn-Eifel wie schon gesagt der erste Naturpark in Belgien war, haben sich die Ziele und Aufgabenbereiche im Laufe der Jahre erweitert.
• 70er Jahre: Entwicklung eines grünen und sanften Tourismus im Naturpark Hohes Venn-Eifel
In den 70er Jahren konzentrierte der Naturpark sich auf die Entwicklung der touristischen Infrastruktur im Gelände, wobei ein sanfter und grüner Tourismus gefördert wurde: die Landschaft und die Natur des Naturparks durch Wandern entdecken. So wurden beispielsweise Wanderwege auch grenzüberschreitend beschildert. Zum Schutz der Wanderer, vor den in unserer Region öfters widrigen Wetterbedingungen, wurden Wanderschutzhütten aus Holz erbaut. Heute bieten immer noch 10 dieser Hütten den Wanderern Zuflucht. Auch an der Errichtung des Denkmals Dreiländereck in Ouren, das den südlichsten Punkt des Naturparks auf belgischer Seite darstellt, war der Naturpark beteiligt.
• 80er Jahre: Entwicklung von pädagogischen und touristischen Aktivitäten im Naturparkzentrum Botrange - Haus des Naturparks Hohes Venn-Eifel
In den 80er Jahren kannte der Naturpark ein bedeutendes Ereignis, da er im Jahre 1984 mit dem Naturparkzentrum Botrange endlich einen eigenen Standort erhielt. Mit einer nun eigenen Infrastruktur war es möglich, strukturiert und regelmäßig Aktivitäten zu organisieren: so hat der Besucher seit dieser Zeit die Möglichkeit Ausstellungen, geführte Wanderungen oder pädagogische Animationen zum Thema Natur (besonders gefragt für Schulklassen) in Anspruch zu nehmen. Heute noch verfolgt das Naturparkzentrum diese Sensibilisierungsaktivitäten, die immer innovativ aktualisiert und erneuert werden.
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Luftbild des Naturparkzentrums, das seit 1984 der Sitz des Naturparks ist. © Naturpark |
| Das Museum und sein Zeittunnel ermöglichen die Einführung in die Urzeit. © G. Fryns |
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In den 80er Jahren gab es ein weiteres bedeutendes Ereignis: mit der Veröffentlichung des wallonischen Dekretes über Naturparks im Jahre 1985 und den enthaltenen Direktiven wurde die Verwaltungskommission des Naturparks Hohes Venn-Eifel ins Leben gerufen, welche nun den Naturpark und seine Aktionen verwalten sollte. Das Naturparkzentrum Botrange und der Naturpark entwickelten sich somit zu zwei verschiedenen Werkzeugen, jedoch mit komplementären Missionen:
- Das Naturparkzentrum verfolgt die Sensibilisierungsarbeit anhand eines pädagogischen Naturerlebnis-Programmes.
- Der Naturpark konzentriert sich nun nach und nach auf Renaturierungs- und Schutzmaßnahmen natürlicher Lebensräume.
• 90er Jahre: Umsetzung von Natur- und Landschaftsschutzmaßnahmen
Da die Sensibilisierungsarbeit sich eher zum Aufgabenbereich des Naturparkzentrums entwickelt hatte, widmete sich die Verwaltungskommission des Naturparks der Umsetzung von Natur- und Landschaftsschutzmaßnahmen. So wurde für das Naturschutzgebiet Hohes Venn ein Zugangsplan ausgearbeitet. Die Aufteilung des Gebietes in zugängliche Zonen (B-Zone), nur bedingt der Öffentlichkeit freigegebene Gebiete (C-Zonen) und strikt gesperrte Sektoren (D-Zonen) wurde in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Natur und Forsten der Wallonischen Region ausgearbeitet. Diese Regelung wurde zum Schutz der gefährdeten Flora und Fauna dieses einzigartigen Biotops eingerichtet.
Mit der gleichen Zielsetzung und aus Gründen der Sicherheit für die Wintersportbegeisterten wurde die Koordination und Verwaltung des Langlaufskis im Hohen Venn, in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Natur und Forsten der Wallonischen Region, von der Verwaltungskommission übernommen.
| Die Ausschilderung und der Unterhalt der Schipisten ermöglichen ein Wintersportvergnügen für Viele. © Naturpark |
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Im Rahmen eines Interreg I-Projektes (Europäische Union, Wallonische Region und Provinz Lüttich) zur Erhaltung der typischen Buchenschutzhecken in den Venndörfern, wurden Mittel zur Verfügung gestellt, damit diese charakteristischen Landschaftselemente auch weiterhin einen Platz in unserer Gegend finden.
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Die Buchenschutzhecken sind ein charakteristisches Landschaftselement der Venndörfer. © Naturpark |
Des weiteren wird seit Mitte der 90er Jahre Personal des Naturparkzentrums im Rahmen von Biotoppflegemaßnahmen in Naturschutzgebieten eingesetzt. Diese Arbeiten finden auch heute noch statt.
Im Rahmen des Dekrets von 1985 wird dem Naturpark außerdem eine Rolle im urbanistischen Bereich zugeteilt. Diese Aufgabe besteht darin, Gutachten zu Anträgen im Bezug auf Städtebau-, Erschließungs-, Umwelt- und Globalgenehmigungen innerhalb seines Gebietes abzugeben. Diesbezüglich werden besonders Risiken in Bezug auf Umwelt und Natur beachtet, die mit den Anträgen verbunden sind. Der Park ist ebenfalls bestrebt, Ratschläge zu verteilen, die zur besseren landschaftlichen Integration von Gebäuden beitragen.
Mehr Raum für Natur: Renaturierungs-Großprojekte für natürliche Lebensräume
In den 90er Jahren hat der Naturpark sein Aktionsfeld nicht nur im Naturschutz, sondern vor allem auf den Bereich der Renaturierungsarbeiten konzentriert. Solche Großprojekte sind jedoch sehr kostenaufwendig und große Geldmengen sind daher notwendig. Dank europäischer Projekte, wie zum Beispiel Interreg-Projekte der Euregio Maas-Rhein oder Life-Projekte der europäischen Union, konnten solche flächendeckenden Maßnahmen durchgeführt werden:
Das erste dieser Projekte startete 1999. Es handelte sich um ein grenzüberschreitendes Projekt zum Schutz der Bäche und Täler im deutsch-belgischen Naturpark. (Interreg II - Projekt: Europäische Union, Wallonische Region, Provinz Lüttich). Auf belgischer Seite wurden im Rahmen dieses Projektes 220 ha Fichten (25 km Wasserlauf) abgeholzt, die an nicht adäquaten Standorten wuchsen. Somit wurde eine Renaturierung der Feuchtwiesen in den Tälern der Eifel zu ermöglicht. Dies geschah im Einvernehmen mit den Eigentümern (Privatpersonen, und Gemeinden) die für den frühzeitigen Abhieb der Fichtenbestände entschädigt wurden. Das Gesamtbudget des belgischen Naturparks betrug 1 115 000 EUR, wovon 743 680 EUR, d.h. 65% für die Durchführung der Renaturierungsmaßnahmen zur Verfügung standen.
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Die Renaturierungsmaßnahmen der Projekte ermöglichen eine Rückkehr zur ursprünglichen Natur. © G. Fryns |
Aufgrund des großen Erfolgs dieses Projektes wurde 2002 ein Folgeprojekt ins Leben gerufen, das sich dem Schutz anderer Lebensräume widmet: Grenzüberschreitendes Projekt zur Renaturierung von Heiden, Mooren und naturnahen Wiesen (Interreg III - Projekt: Europäische Union, Wallonische Region, Provinz Lüttich). Im Verlauf dieses Projektes konnten 55 ha Heiden und Moore wieder ihrer natürlichen Bestimmung zugeführt werden. Außerdem wurden die Planung und der Bau eines Naturerlebnis-Radwanderweges um das Hohe Venn durch dieses Projekt getragen. Dieser Radwanderweg wird ab Ende Juni 2006 der Öffentlichkeit zugänglich sein und erläutert anhand mehrerer Stationen die Bedeutung der Lebensräume Heiden und Moore sowie die zu ihrem Schutz getroffenen Maßnahmen. Das Budget des belgischen Naturparks beträgt 732 350 EUR, wovon 436 361EUR für die Maßnahmen zur Verfügung stehen.
Ein Schritt zum Einklang zwischen Naturschutz und Landwirtschaft ist das landwirtschaftliche Projekt zum Schutz der Wasserläufe (Plan für ländliche Entwicklung der Wallonischen Region), dessen Zielsetzung der Schutz der hiesigen Wasserläufe und deren Durchgängigkeit ist. So sind 7 km Bachlauf ausgezäunt und 10 Viehtränken aufgestellt worden. Es wurden verschiedene Tränkesysteme angebracht, auch um im weiteren Verlauf die Vor- und Nachteile der Systeme auswerten zu können und so Hilfestellung in Zukunft zu leisten. Des Weiteren wurden 6 Staubauten auf Bachläufen zurückgebaut um die Wanderung der verschiedenen Bachbewohner, z. B. Forellen, zu ermöglichen. Das Budget beträgt 221 240 EUR, wovon 102 500 EUR für Maßnahmen zur Verfügung stehen.
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Entfernung einer Staustufe in Mürringen im Rahmen des Projekts zum Schutz der Wasserläufe (vorher und nachher). © Naturpark
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Auch die verborgenen Naturschätze werden im Naturpark nicht vergessen. So startete Ende 2002 ein Projekt zur Renaturierung des Lebensraumes der Flussperlmuschel (Life-Projekt: Europäische Union, Wallonische Region, Provinz Lüttich). Projektgebiet ist das Ourtal, das noch heute eine kleine Population dieser in ganz Europa vom Aussterben bedrohten Art beherbergt. Da die Ansprüche der Flussperlmuschel an ihren Lebensraum sehr hoch sind, ist die Palette der Maßnahmen breit gefächert. So sollen im Verlauf des Projektes 14 ha Feuchtwiesen renaturiert, 15 ha Land (die zu Naturschutzgebieten werden) angekauft, 20 km Bachlauf ausgezäunt und 30 Viehtränken aufgesetzt werden. Auch ist die Sensibilisierung der Bevölkerung und der Kinder (Animationen zum Thema werden den Schulen im Gebiet angeboten) ein Standbein dieses Projektes. Das Budget beträgt 809 000 EUR, wovon 70% für die konkreten Maßnahmen gebraucht werden.
| Uferanpflanzungen gegen die Erosion im Rahmen des Flussperlmuschelprojekts © Naturpark |
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Für die weitere Sensibilisierung der Touristen und der einheimischen Bevölkerung ist die Planung von 2 weiteren Naturerlebnispfaden Leader+ : Europäische Union, Wallonische Region, Provinz Lüttich) im Gange. Für dieses Projekt steht ein Budget von 42 165 EUR zur Verfügung.
Natürlich hat der Naturpark diese Projekte nie alleine ausgeführt, sondern in Zusammenarbeit mit der Abteilung Natur und Forsten der Wallonischen Region, der Universität Lüttich über der Wissenschaftlichen Station des Hohen Venns von Mont Rigi, dem Centre de Recherche Forêts, Nature et Bois in Gembloux sowie dem BNVS (RNOB). Man muss jedoch hinzufügen, dass der Naturpark häufig Koordinator und somit federführend war. Die Maßnahmen wurden vor allem auf Parzellen von Gemeinden und Privateigentümern ausgeführt, die also im Vorfeld für die Projekte sensibilisiert und gewonnen werden mussten. Heute kann das Personal der Verwaltungskommission des Naturparks Hohes Venn-Eifel auf eine solide Erfahrung zurückblicken, sowohl in der Zusammenarbeit mit Privateigentümern und Gemeinden, als auch in der Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen. Die Anfragen für Ortsbesichtigungen, selbst vom Ausland, sind dafür ein Beweis.
Ein Blick in die Zukunft
Aufbauend auf die angesammelte Erfahrung wird der Naturpark Hohes Venn-Eifel Partner von neuen europäischen Projekten sein:
• Ab 2006: Projekt zur Renaturierung des Lebensraumes des Fischotters im Naturpark (Renaturierung von Feuchtbiotopen, Errichtung von Otterbauten, ...)
LIFE - Projekt: Europäische Union, Wallonische Region, Provinz Lüttich
• Ab 2007: Projekt zur Renaturierung von Heiden und Mooren im und um das Naturschutzgebiet Hohes Venn, bei dem nicht weniger als 500 ha entfichtet und wiedervernässt werden. Somit wird für die bedrohte Flora und Fauna des Venns mehr Lebensraum und folglich mehr Entfaltungsmöglichkeit erhalten. Das Budget wird durch den LIFE-Fond der Europäischen Union, die Wallonische Region und die Provinz Lüttich getragen.

Ausblick aufs Venn und seine Palsen. © G. Fryns
Der Naturpark stellt fest, dass trotz der Zusammenarbeit mit den Eigentümern eine Sensibilisierungsarbeit zu diesen Aktionen notwendig ist, damit dieser Naturraum im Einvernehmen mit der Bevölkerung nachhaltig erhalten werden kann.
Der 35. Geburtstag ist die Gelegenheit, den Startschuss für weitere Sensibilisierungsarbeit zu geben:
- Eine Wanderausstellung zu den verschiedenen Renaturierungsprojekten steht nun den verschiedenen Gemeinden des Naturparks zur Verfügung.
- Ein Modul von 2,60 m Höhe, welches an diesen Geburtstag erinnert, wird abwechselnd an verschiedenen Stellen im Naturpark zu sehen sein, um die Bevölkerung daran zu erinnern, dass sie in einem Naturpark wohnt!
Regelmäßige Veranstaltungen sind: das Hirtenfest, das Pilzwochenende, der Tag des Baumes sowie der Indoor-Weihnachtsmarkt im Naturparkzentrum.
Weitere Informationen erhalten Sie unter der Nummer ++32.80440300
Text: A. Langer, S. Terren
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