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Ein Vertrag mit der Amel

Es gibt drei Behauptungen, denen jeder zustimmen kann:
  • Ohne Wasser gibt es kein Leben.
  • Jede Quelle kann einmal versiegen.
  • Gutes Haushalten mit Wasser ist wichtig, um dessen Qualität und langfristige Versorgung zu sichern.
Genau auf diesen Grundsätzen baut ein Flussvertrag auf. In dem folgenden Beitrag möchten wir Ihnen diesen genauer erläutern.

Was ist ein Flussvertrag?

Eigentlich geht es darum, die Anrainer eines Einzugsgebietes eines Fließgewässers um einen Tisch zu versammeln und gemeinsam einen Aktionsplan auszuarbeiten, der dann in die Tat umgesetzt wird. An einer solchen Tafelrunde treffen sich Vertreter aus Politik, Verwaltung, Forschung, Tourismus, Industrie, Landwirtschaft, Naturschutz und natürlich die Verantwortlichen des Flussvertrages. Themen sind Schutz und Instandsetzung der Wasserläufe sowie der Wasserreserven eines Einzugsgebietes. Es wird wohl jedem einleuchten, dass es nicht so einfach ist, einen Kompromiss zu finden, da es vor allem darum geht, die verschiedensten Interessen zu vereinen...

Die Tafelrunde   Die Tafelrunde
© RW «Guide méthodologique relatif au contrat de rivière»

Von der Theorie nun zur Praxis, denn im Einzugsgebiet der Amel gibt es einen solchen Flussvertrag. Die ersten Hürden waren wohl die schwierigsten, denn von der Idee über die Vorbereitung des Dossiers bis zur öffentlichen Anerkennung ist einige Zeit vergangen. Am 1. November 2002 war es dann soweit, die Arbeit konnte beginnen. Zu den Zielen des Flussvertrages zählen: die Renaturierung der Wasserläufe, die Steigerung der "Selbstreinigungskapazität" der Bäche, die Wiederherstellung des natürlichen Aspekts der Täler aber auch die Überschwemmungsvorbeugung und die Weiterentwicklung des Tourismus in der Region.

Die Amel und ihre Partner

Es ist an der Zeit, die verschiedenen Partner vorzustellen, die hinter diesem Projekt stehen. Zu den Mitstreitern der ersten Stunde zählen die GREOA (Arbeitsgruppe für die wirtschaftliche Aufwertung der Region Ourthe-Amel), die Stadt Stavelot, die UPOA (Vereinigung der Angler Ourth-Amel), die Anglervereinigung von Remouchamps und "Patrimoine Nature". Seitens der regionalen Verwaltung ist die Wasserwirtschaft, die Direktion der Oberflächengewässer, die Generaldirektion der Landwirtschaft sowie der Landschaftsplanung vertreten. Auch die Provinzen Lüttich und Luxemburg sowie verschiedene Zweige der Industrie (z. B. Electrabel) beteiligen sich. Insgesamt 15 der 16 im Einzugsgebiet befindlichen Gemeinden unterstützen das Projekt. Es handelt sich um Amel, Aywaille, Büllingen, Bütgenbach, Comblain-au-Pont, Gouvy, Lierneux, Malmedy, St. Vith, Sprimont, Stavelot, Stoumont, Trois-Ponts, Vielsalm und Waimes. Auch sind Naturschutzorganisationen, Verkehrsvereine, Interkommunalen, u.s.w. angeschlossen. Die Liste derer, die die Amel nicht mehr sich selbst überlassen wollen, ist schier endlos und weitere Verwaltungsbereiche und Vereinigungen haben sich im Laufe der Zeit noch angeschlossen.

Einzugsgebiet der Amel
Das Einzugsgebiet der Amel © Verkehrsamt der Ostkantone

Arbeitsaufteilung

Mit so vielen verschiedenen Partnern aus den unterschiedlichsten Bereichen und bei einem so umfangreichen Programm, das sich der Flussvertrag auferlegt hat, können nicht immer alle Partner an einem Tisch sitzen. Jeder soll sich um den Aufgabenbereich kümmern, von dem er am meisten versteht. Dies ist auch insoweit sinnvoll, denn der Flussvertrag ist eine Möglichkeit, die verantwortlichen Stellen auf Probleme aufmerksam zu machen, doch leider sind die finanziellen Mittel nicht gegeben um diese Probleme eigenständig aus dem Weg zu räumen. So wurden zur besseren Aufteilung drei Arbeitsgruppen gebildet, die autonom arbeiten.

Im Bereich "Information und Tourismus" stehen einerseits die Informationssammlung zu allen Aspekten des Wassers und andererseits die Weitergabe dieser Informationen an alle Betroffenen. Dies ist auch hilfreich für die Belebung eines naturnahen Tourismus. Besonders in ländlichen Gebieten sind die Natur und das Kulturerbe die Standbeine des Tourismus, so muss auch mit diesen Ressourcen behutsam umgegangen werden.

Die Arbeitsgruppe "Wasserqualität" befasst sich, wie der Name es schon verrät, mit dem Wasser selbst. Es geht natürlich um die Verbesserung der Wasserqualität (Informationen zur Abwasserklärung,...) aber auch um den Erhalt der Artenvielfalt und dementsprechend um eine bessere Kenntnis des Lebensraums Wasser.

Die Überschwemmungsproblematik, Ufererosion und die Einflüsse des Niedrigwassers werden von der Untergruppe "Hydraulik" bearbeitet.

Was läuft denn da konkret?

Als Ansprechpartner aller Bewohner des Einzugsgebiets der Amel war und ist es für den Flussvertrag von größter Wichtigkeit, alle Informationen einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen. So war es auch eine der ersten Herausforderungen, das Einzugsgebiet der Amel, die verschiedenen Partner und die anfallenden Probleme vorzustellen. Zu diesem Zweck wurde eine Wanderausstellung in Zusammenarbeit mit dem Naturpark erstellt. Diese Ausstellung hat nun nach drei Jahren schon eine lange Wanderung hinter sich und wurde in vielen Gemeindehäusern und öffentlichen Gebäuden gezeigt. Für alle Interessierten: die Ausstellung kann auch auf Anfrage ausgeliehen oder in Stavelot besichtigt werden.

Nach dem großen Erfolg dieser Ausstellung sind im Laufe der folgenden Jahre noch weitere Broschüren und Faltblätter entstanden, denn ein Informationsbedarf besteht nach wie vor. So wurden in Zusammenarbeit mit der Wallonischen Region und anderen Partner Faltblätter über das Ameltal, die Problematik der Laichzonen für Forellen und den Lebensraum Karst herausgegeben. Eine Informationsbroschüre für Jugendlager, die die verschiedenen Kontaktpersonen (Gemeinde- und Forstverwaltung ...) sowie verschiedene Möglichkeiten für ein umweltverträgliches Lager an Wasserläufen vorstellt, hat ebenfalls reißenden Absatz gefunden.

Die Ärmel hochkrempeln

Sensibilisierung ist natürlich wichtig, aber die Arbeit des Flussvertrages begrenzt sich nicht nur auf diesen Aufgabenbereich. Auch handfestes Anpacken ist gefragt und so wird die Aktion "saubere Amel" seit 2003 von Idelux in Zusammenarbeit mit dem Flussvertrag gesteuert. Diese Maßnahme hat nun schon einen festen Platz im jährlichen Terminkalender erhalten. Schade ist nur, dass trotz Sensibilisierung und trotz der Mithilfe vieler Freiwilliger diese Müllsammlung jedes Jahr immer noch notwendig ist. So wurde auch 2005 wieder alleine in 9 Gemeinden des Einzugsgebietes von fast 2000 Helfern ein zweistelliger Tonnenbetrag Müll aufgesammelt. Wie unsere Bäche ohne solche Aktionen aussehen würden, ist fraglich. Für alle, die einmal mit eigenen Augen sehen möchten, was der Amel (oder anderen Bachläufen) an Müll zugemutet wird, findet auch dieses Jahr wieder im Frühjahr eine Müllsammlung statt (das genaue Datum erfahren Sie bei Ihrer Gemeindeverwaltung oder beim Flussvertrag).

Müllsammlung entlang der Amel
© Flussvertrag Amel
  Müllsammlung

Müllsammlung   In den Gemeinden waren viele freiwillige Helfer unterwegs
© Flussvertrag Amel

Viele Probleme

Wenn es darum geht, Schwachstellen zu beseitigen und Probleme zu lösen, dann muss man natürlich auch wissen, welche Aufgaben zur Beseitigung erforderlich sind. Zu diesem Zweck wurde ein Inventar erstellt. Was heißt das praktisch? Zirka 250 Kilometer Bachlauf, z.B. auf der Amel, der Warche, der Holzwarche, der Eau Rouge ... wurden nach Problemen abgesucht. Insgesamt wurden fast 6000 "Schwachstellen" aufgedeckt. Das Spektrum reicht von Barrieren für die Fischwanderung, wie z.B. Rohre und Dämme, über die üblichen wilden Müllkippen und Abwassereinleitungen bis hin zu einsturzgefährdeten Bauten, die über kurz oder lang das Bachbett verstopfen werden. In Kenntnis der Sachlage können nun die zuständigen Stellen angesprochen werden, um diese Missstände zu beheben. Abb. 4 bis: Solche Sohlenabfälle stellen ein unüberwindbares Hindernis für Fische und andere Bachbewohner dar.

  Solche Sohlenabfälle stellen ein unüberwindbares Hindernis für Fische und andere Bachbewohner dar.

Fremde Kolonisatoren

Während der Kartierung ist den Helfern vom Flussvertrag Amel ein anderes Problem aufgefallen. Ganze Uferstreifen sind von so genannten "invasiven Pflanzen" besetzt. Es handelt sich um exotische Pflanzen, die sich in den heimischen Ökosystemen niedergelassen haben und nun der einheimischen Flora den Lebensraum streitig machen. Zu diesen Exoten gehören unter anderem der Riesenbärklau (Heracleum mantegazzianum), das Riesenspringkraut (Impatiens glandulifera) und der Japanische Knöterich (Fallopia japonica). Alle diese Pflanzen sind Gartenflüchtlinge, die z.B. durch das wilde Entsorgen von Gartenabfällen ihren Weg in die Natur gefunden haben. Natürlich gibt es auch andere Exoten, doch diese drei Arten haben sich als besonders hartnäckig und wuchernd herausgestellt und verdrängen die einheimische Flora.

Aufgrund der erschütternden Ergebnisse des Inventars in Hinsicht auf das Umsichgreifen dieser Exoten wurde eine Feinkartierung der Amel durchgeführt. Das Ergebnis war nicht sehr positiv: Im Oberlauf der Amel ist die Kolonialisierung noch eher ein Randphänomen, 1 bis 3 % der Ufer sind unterhalb von Amel betroffen, je weiter man jedoch flussabwärts wandert, um so trister wird die Aussicht. Im Unterlauf der Amel sind bis zu 80 % der ursprünglichen Flora schon der Ausbreitung dieser "Fremdlinge" zum Opfer gefallen.

Die Invasion folgt meist dem selben Schema: zuerst werden kleinere Stellen vom Riesenspringkraut besiedelt, nach weiterer Expansion kommt dann der Japanische Knöterich hinzu, dessen Ausbreitungstrieb dann sogar das Springkraut ganz oder teilweise weichen muss. Heimische Pflanzen haben an solchen Stellen so gut wie keine Chance mehr und der Uferstreifen verkommt zu einer ökologischen Einöde. Wer solchen Pflanzen schon einmal einen Platz in seinem Garten geboten hat, wird wissen, wie schwierig es ist, ihrer Herr zu werden. Es gibt kaum wirksame Bekämpfungsmethoden und entlang der Gewässer ist auch klar, dass der massive Einsatz der "chemischen Keule" wohl nicht die rechte Wahl ist. So hat der Flussvertrag sich bei der Universität Gembloux (Abteilung Ökologie) Partner gesucht, die eine Strategie für eine wirksame Bekämpfung ohne schädliche Folgen für die Wasserläufe entwickeln sollen. Mehrere Versuchsstellen sind vorgesehen und dort werden zu Beginn des Frühjahrs die Versuche und ihre Auswertung starten. Auch die Wallonische Region (Abteilung der nichtschiffbaren Gewässer) hat sich nun des Problems angenommen und wird Vergleichsversuche auf der Lienne durchführen. Diesbezüglich noch eine Bitte an alle Gartenbesitzer: Die Entsorgung solcher Pflanzen fällt schon fast in das Kapitel "Sondermüll". Am sichersten ist es, die Pflanzen vor der Samenbildung zu schneiden, die Reste einige Tage zu trocknen und dann zum Containerpark zu bringen (bitte nicht in den Kompost).

Wo die Exoten (hier das Riesenspringkraut) sich ausbreiten, da bleibt kein Platz für die einheimische Flora.
© S. Vanderhoeven
  Riesenspringkraut

Japanischer Knöterich   Am hartnäckigsten ist der Japanische Knöterich, gegen den es momentan noch kaum wirksame Bekämpfung gibt.
© O. Schmidt

Was es sonst noch zu berichten gibt

Auch in Zukunft sind die Ziele des Flussvertrags ehrgeizig gesetzt, obwohl dem Flussvertrag keine eigenen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. So wird dies natürlich wieder in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen wie z.B. den Gemeinden oder der Wallonischen Region geschehen.

Einige Beispiele der schon verwirklichten Aktionen zeigen, dass sehr gute Resultate erzielt werden können. In Salmchateau ist durch die Zusammenarbeit des Flussvertrags mit der Direktion der nichtschiffbaren Gewässer eine Uferbefestigung installiert worden. Auch in unserer Gegend sind solche Maßnahmen in Planung. In Amel war eine Uferbefestigung mit Steinen vorgesehen, doch durch gemeinsame Planung der Direktion der nichtschiffbaren Gewässer, Natura 2000 und des Flussvertrags konnte an Stelle der ursprünglich geplanten unnatürlichen Uferbefestigung aus Steinblöcken eine stabilisierende Uferbepflanzung vorgesehen werden. Auch wird die nicht funktionstüchtige Fischtreppe auf der Lienne bei Lorcé demnächst ersetzt. All diese einzelnen Maßnahmen werden im Laufe der Zeit das Einzugsgebiet der Amel verändern und durch die fortlaufende Renaturierung den Zustand des Lebensraums Amel nachhaltig verbessern. Für die kommenden Jahre hat der Flussvertrag sich zum Ziel gesetzt, an mindestens 400 dieser Problemstellen aktiv zu werden.

Uferbefestigung   Die bepflanzte Uferbefestigung an der Lienne nach der Fertigstellung
© Flussvertrag Amel

Die Entwicklung der Uferbefestigung mehrere Monate später
© Flussvertrag Amel
  Uferbefestigung

Diese nicht funktionierende Fischtreppe wird in nächster Zeit ersetzt werden.
© Flussvertrag Amel
  Fischtreppe

Für weitere Fragen können Sie sich an den Flussvertrag Amel wenden:
Flussvertrag Amel
Christine Heinesch
Place St. Remacle 32
B-4970 Stavelot
Tel: 080/282435

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   Letzte Änderung am 17.12.2006 
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