
BACHLÄUFE - DIE LEBENSADERN DER NATUR
 Schwarzerlen durchwurzeln als einzige Baumart die gesamte Gewässersohle, Kyll
1. Fließgewässer und Wassergüte in der Eifel
Im internationalen Bach-Jahr möchte auch die NATURZEIT diesen Quellen musischer Inspiration für Komponisten und Schriftsteller mit einer Hommage gedenken. Zwar haben wir es in den BNVS-Landen nur mit kleinen, unbedeutenden Enkeln des großen Meisters namens Werrels- oder Kolvender-Bach zu tun, doch prägen diese Bäche unserere Kulturlandschaft ebenso wie Bachs Musik die Hörkultur - zumindest aus biologischer Sicht. Denn leider sind unsere Fließgewässer, Quellen und Feuchtwiesen vielerorts aus dem kulturellen Bewusstsein verdrängt und unter praktsich-wirtschaftlichen Gründen begradigt und verrohrt worden. "Aus den Augen, aus dem Sinn" - auf die Verbannung vieler Bachläufe ins Erdreich bezogen beweist dieses Sprichwort wieder seine Richtigkeit. Zwar trifft dies weniger auf unsere ländliche Gegend als auf die Städte zu, doch hat das "Sibirien Preußens", wie die Eifel Ende des letzten Jahrhunderts liebevoll genannt wurde, auch in diesem Punkt nachgeholt.
 | Begradigter und verrohrter Bach |

Landwirtschaftliche Nutzung bis direkt in den Bach.
Sie belastet den Bach sowohl mit organischen Verunreinigungen (Exkremente) als auch mit verstärktem Feinsedimenteintrag, ausgelöst durch Uferabtritt, welcher die wichtige Bachsohle und damit das Bachbettlückensystem (Interstitial) zuschlämmt.
Ein heute oft vergessener Grund für die unterirdische Verlegung der Bachläufe in Städten war deren kolossale Verseuchung: Der Grad der Verschmutzung - und damit einhergehend auch der Gestank - war so angestiegen, dass eine oberirdische Gewässerführung kaum noch zumutbar war.1 Auch auf dem Land war der Bach zentrale Ressource: Als Energiequelle (Mühlen), Düngemittel (Flüchsen), Viehtränke, Rohstoff (Papierherstellung, Färberein und Gerbereien) und Nahrungsmittellieferant wurde er in genutzt, benutzt und häufig auch verschmutzt.2 So kommt es, dass auch für die heute noch stark ländlich geprägte Eifel das hitorische Maximum der Artenvielfalt um das Jahr 1850 datiert werden muss, also vor dem Einsetzen einer schleichenden Industrialisierung, die erst mit dem Bau der Eisenbahn voll einsetzte.
Wozu schon wieder dieser historische Einstieg in das Thema werden Sie sich jetzt fragen? Ganz einfach: Um die heutige Situation der Natur bzw. vieler bedrohter Biotope inklusive ihrer Tier- und Pflanzenwelt bewerten zu können, ist ein Blick indie Vergangenheit von großem Nutzen. Denn die Mehrzahl der heute naturschutzwürdigen Flächen sind durch Jahrunderte alte Bewirtschaftung entscheidend geprägt worden. So sind Heiden, Borstgrasrasen oder Bärwurzwiesen das Resultat einer bestimmten, regionalspezifischen Bewirtschaftstungs- und Beweidungsweise und nicht "ursprüngliche" Natur. Gerade diese vom Menschen geprägte Landschaft, man spricht hier auch von Kulturlandschaft, ist derzeit in einem gravierenden Umwälzungsprozess, vor allem Dingen bedingt durch den Rückgang kleiner landwirtschaftlicher Betriebe. Eine Initiative, biologisch besonders wertvolle Biotope zu schützen und pflegen, ist das "Tälerprojekt" im Naturpark Hohes Venn Eifel.
2. Das "Tälerprojekt" im Naturpark Hohes Venn-Eifel3
Die Fließgewässer samt ihrer Auen sind typische und ökologisch äußerst wertvolle Bestandteile unserer Mitelgebirgsregion. Bäche und Flüsse gleichen "Lebensadern", die mit ihren Talräumen großflächig ganze Landschaften vernetzen und zahlreiche, zum Teil hochspezialisierte Pflanzen- und Tierarten beherbergen. Leider sind solche intakten Tallandschaften auch in der Eifel vielerorts verschwunden oder bedroht. Eine Initiative, dieser Entwicklung zu begegnen, ist das "Tälerprojekt" im Naturpark Hohes Venn-Eifel, welches durch die binationale INTERREG-II-Förderung der Euregio Maas-Rhein gefördert wird. (s. a. Tälerpflegeprojekt, Artikel aus der naturZEIT 3/99) In deutsch-belgischer Kooperation sollen im gesamten Grenzgebiet Renaturierungsmaßnahmen an geeigneten Gewässern inklusive ihrer Nachbarlebensräume durchgeführt werden. Finanziert wird das Projekt je zu 50% von der Europäischen Gemeinschaft (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) und der wallonischen Region. Der vorgeschriebene Eigenanteil des Naturparks liegt bei 1,5 Mill. BEF,- und wird vom Träger des Naturparks, der Provinz Lüttich, aufgebracht. Das finanzielle Gesamtvolumen des Projektes beläuft sich auf belgischer Seite auf 57 Millionen BEF, auf deutscher Seite bei ca. 40 Millionen BEF.

Karte: Maßnahmen im Rahmen des Tälerprojektes. Quelle: Naturpark Hohes Venn - Eifel, INTERREG-II-Projekt der Wallonischen Region / Provinz Lüttich.
Ein heute oft vergessener Grund für die unterirdische Verlegung der Bachläufe in Städten war deren kolossale Verseuchung: Der Grad der Verschmutzung - und damit einhergehend auch der Gestank - war so angestiegen, dass eine oberirdische Gewässerführung kaum noch zumutbar war. Auch auf dem Land war der Bach zentrale Ressource: Als Energiequelle (Mühlen), Düngemittel (Flüchsen), Viehtränke, Rohstoff (Papierherstellung, Färberein und Gerbereien) und Nahrungsmittellieferant wurde er in genutzt, benutzt und häufig auch verschmutzt. So kommt es, dass auch für die heute noch stark ländlich geprägte Eifel das hitorische Maximum der Artenvielfalt um das Jahr 1850 datiert werden muss, also vor dem Einsetzen einer schleichenden Industrialisierung, die erst mit dem Bau der Eisenbahn voll einsetzte.
Worum geht es genau im Tälerprojekt, welches sind die langfristigen Ziele? Drei Schritte lassen sich hier unterscheiden:
- Die Erfassung der biologischen Daten (Flora und Fauna) der im Tälerprojekt eingebundenen Biotope und die Ermittlung der Schäden und Beeinträchtigungen. (Kartierung und Datenbankerstellung)
- Die Ermittlung der Eigentums- und Pachtverhältnisse der Biotopflächen, die im Rahmen des Tälerprojektes als Naturschutzflächen erworben werden sollen.
- Die Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Renaturierung oder zum langfristigen Schutz der erworbenen Naturschutzflächen.
Auf belgischer Seite besteht das Hauptziel aus den Entfichtungen der biologisch wertvollen Talsohlen. Wie der Leiter des Tälerprojektes auf belgischer Seite, Dr. Alain Langer, mitteilte, sind zurzeit bereits ca. 58 Hektar Fichtenbestände aus Privatbesitz im Rahmen des INTERREG-Projektes zum Verkauf und damit zur Abholzung freigegeben. Leider ist damit auch fast das zur Verfügung stehende Budget verbraucht. Mit dem aus dem Verkauf des Holzes eingehenden Geld können jedoch weitere Parzellen erworben werden, sodass mit einer Gesamtfläche von ca. 65 Hektar zu rechnen sein wird. Mit geschätzten 100 Hektar, die aus Gemeinde- und Kirchenbeständen hinzu kommen werden, wird sich das Landschaftsbild an einigen Bachläufen der Eifel somit deutlich sichtbar wandeln.
Auf deutscher Seite werden die zur Verfügung stehenden INTERREG-Mittel auf drei Posten verteilt, die, so Frank Wagener von der Biologischen Station Euskirchen, je zu einem Drittel in wald-, wasser und landwirtschaftsbezogene Einzelprojekte einfließen werden. Neben Fichtenaufforstungen stehen hier vor allem Renaturierungsmaßnahmen wie Bachauszäunungen, Entrohrungen und Anlegen von Furten in Bachläufen im Vordergrund.
 Eine Fichtenmonokultur wird vom Bach zurückgenommen und stark aufgelichtet, Kylltal
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 Die Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen ist nur möglich, wenn alle Beteiligten vom Eigentümer über den Nutzer, die Gemeinde bis zur Fachbehörde an einem Strick ziehen, Prether Bach |
3. Das Gedächtnis einer Landschaft per Mausklick
Trotz der unterschiedlichen Schwerpunkte auf deutscher bzw. belgischer Seite handelt es sich beim Tälerprojekt um ein binationales Vorhaben, bei dem wirkliche Kooperation stattfindet und zukunftträchtige Wege eingeschlagen werden. Ein Weg, die gemeinsame Arbeit für den Naturschutz effektiv zu gestalten, ist der Einsatz modernster Technologie bei der Datenerfassung und -verarbeitung. Beiderseits des Venns arbeitet man mit einem neuen Grafischen Informationssystem (GIS) namens "Arc View". Mit einem grafischen Informationssystem lassen Karten und raumbezogenen Informationen mit dem Computer erfassen, organisieren, analysieren und vor allem visualisieren. Man muss sich das Ganze wie eine große Datenbank vorstellen, in der alle Informationen zusammenlaufen, die man zu einer bestimmten Fläche (eines Biotops) sammelt. Dies sind:
- geologisch-topografische Informationen (Morphologie, Katasterpläne, Luftaufnahmen)
- chemisch-physikalische Informationen (beispielsweise Wassergüte)
- biologische Informationen (Tiere, Pflanzen, Pflanzengesellschaften)
- administrative Informationen (Eigentümer, Pächter, Vertragspartner)
Anhand dieser Informationen, die regelmäßig erneuert und damit in ihrer Entwicklung analysiert werden können, lassen sich Schädigungen und Beeinträchtigungen der Flächen analysieren und gezielte Maßnahmen planen und überwachen. Beim Tälerprojekt ist es zum Beispiel wichtig zu wissen, auf welchen Parzellen besonders seltene Pflanzen wachsen, um so gezielte Maßnahmen zu deren Schutz zu planen.
Da man sowohl auf belgischer wie auf deutscher Seite mit "Arc View" arbeitet, wird es in naher Zukunft - ein absolutes Novum - auch länderübergreifendes Kartenmaterial geben. Eine Errungenschaft, die allen grenzüberschreitenden Wanderern unter uns sicherlich viel Freude bereiten wird! Doch bevor wir vor lauter Hightech in Diensten des Naturschutzes ins Schwärmen geraten, noch einmal "retour à la nature".
4. Mythos Quelle und Fließgeschwindigkeit
Nein, in diesem Absatz geht es nicht um mystische Rituale bei der Einnahme bestimmter Getränke noch um eine Anleitung zur wissenschaftlich korrekten Herstellung von Aquavit. Vielmehr stellt sich die Frage, weshalb die Bäche und angrenzenden Auen eine so bedeutende Rolle in unserem Ökosystem spielen? Die Analyse der Wassergüte von Quellen und Bächen ist deshalb so aufschlussreich, weil sie einen Einblick in die generelle Gesundheit oder Krankheit einer Region erlauben.
Sowohl Quellen, Moore und Fließgewässer haben - in je unterschiedlicher Art - wichtige ökologische Funktionen. Während sich Quellen wegen ihrer hohen Wasserqualität und relativ konstanten Wassertemperatur als Indikatoren für den öklogischen Zustand von Kleingeswässern besonders eignen (großes Artenspektrum), müssen bei der Analyse von Fließgewässern wesentlich mehr Faktoren beachtet werden. Will man die Qualität eines Bachlaufes für eventuelle renaturierungsvorhaben ermitteln, muss eine "regionale Bachtypologie" erstellt werden, die auf der Erhebung gewässerbeschreibender Parameter beruht.4 Zu diesen "typologischen Kriterien" zählen beispielsweise Faktoren wie:
- Abflussspende, Abflussdynamik, Bachdichte;
- Wassertemperatur, pH-Wert, Leitfähigkeit;
- Talgefälle, Bachgefälle, Fließgeschwindigkeit;
- Struktur des Bachbettes und der Sedimente
- Natürliche Laufentwicklung;
- Fischbesiedlung;
- Algen- und Bakterienvorkommen.
Gesonderte Aufmerksamkeit verlangt die Analyse der Beeinträchtigungen, denen der Bachlauf in seinem Fließverlauf ausgesetzt ist. Häufig auftretende Störfaktoren sind hier beispielsweise:
- Gewässerbegradigungen und -verlegungen (→Erhöhung der Fließgeschwindigkeit)
- Uferverbauungen (Veränderung der Wasserchemie) und Verrohrungen
- Sohlenbefestigungen (Zerstörung von Rückzugsgebieten)
- Stau- und Sohlenstufen (unüberwindbar für Fische und Insekten)
- Viehtritt und Tränken (Uferabbrüche und "Feinmaterialeintrag")
- Einleitung von Abwässern
- Entwässerungen
- Fichtenforste am Gewässer (Förderung der Versauerung, Lichtwegnahme).
Welche Bedeutung die unmittelbare Ufervegetation für den Wasserchemismus an Quellen haben, zeigen folgende zwei Grafiken:

Darstellung des Wasserchemismus an unterschiedlichen Quellen

Die Tierwelt spiegelt die Naturnähe einer Quelle wider
Grafiken aus Doerpinghaus, Annette: Quellen im Grenzgebiet von Eifel und Ardennen - Heilige Orte geheimnisvollen Lebens, Biologische Station im Kreis Euskirchen, Heft 2, 1997, S. 13.
Besonders deutlich wird an diesem Beispiel die negative Auswirkung der Fichtenpflanzungen am Bachlauf.
5. Wie sauber ist unser Wasser?
Bislang wurden jene Faktoren vorgestellt, die den natürlichen Wasserlauf eines Baches stören oder beeinflussen. Wie sieht es aber im inneren unserer Bäche aus? Die Bestimmung der Wassergüte ist kein einfaches Unterfangen. Zum einen ist es mit einem hohen wissenschaftlich-technischen Aufwand verbunden, zum anderen gibt es ziemlich viele Untersuchungsmethoden, die - einzeln angewandt - zu sehr unterschiedlichen Resultaten führen können. Derzeit werden in Europa mehr als 20 verschiedene Verfahren zur Bewertung der Gewässer angewendet!5 Um sich ein möglichst vollständiges Bild der Wassergüte eines Fließgewässeres machen zu können, müssen daher diverse Untersuchungsmethoden kombiniert werden. Die Analysemethoden kann man grob in zwei Hauptkategorien trennen: in physikalisch-chemische Untersuchungsmethoden auf der einen, biologisch-ökologischen Verfahren auf der anderen Seite.6
Die Larve dieser drei Jahre alten großen Dinocras-Steinfliege ist ein Indikator für unbelastete Fließgewässer. Sie ist Mitglied des Saprobiensystems, welches zur Gewässerüberwachung in Deutschland eingesetzt wird (DIN 38410) |  |
Auch wenn sich die Analysemethoden der beiden Kategorien notwendigerweise unterscheiden, geht es doch in beiden Fällen darum, die gemessenen Werte mit festgelegten, idealen Mittelwerten zu vergleichen, um so den Grad der Verunreinigung oder Sauberkeit festzustellen. Anhand so genannter Indikatoren (Anzeigern), die jeweils typisch für eine bestimmte Wasserqualität sind, kann man also ablesen, welche Wassergüte vorliegt. Bei den physikalisch-chemischen Untersuchungen sind solche Zustandsindikatoren beispielsweise die Temperatur, der pH-Wert7, Leitfähigkeit, Wasserhärte, Sauerstoffanteil, Kieselsäure, Stickstoffanteil (Nitrite und Nitrate) sowie Phosphor-, Chlo-, Sulfat- und Eisenanteilen. Zu den physikalisch-chemischen Untersuchungen zählen auch subjektive Werte wie Klarheit und Durchsichtigkeit oder Geruch und Geschmack.
Als biologisch-ökologische Indikatoren hat man so genannte "Leitorganismen" bestimmt. Zur Beurteilung der Gewässergüte von Fließgewässern kann fast jeder Organismus als Bioindikator dienen. Seine Anwesenheit in einer bestimmten biologischen Umwelt zeigt, dass er hier hinreichende Lebensbedingungen findet. Jede Pflanze und jedes Tier stellt an seine Umgebung besondere Anforderungen. Wie auf dem Lande sich in der Ebene eine andere Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren findet, so findet man auch im Wasser je nach herrschenden Umweltbedingungen eine unterschiedliche Besiedlung. Die Biologe orientieren sich zur Beschreibung der Wassergüte eines speziellen Katalogs, in der Fachsprache Saprobiensystem genannt (sapros von griech. = faul und bios = leben). Das Saprobiensystem ist eine Zusammenstellung von Organismen, die Indikatorfunktion für den Grad der Belastung des Gewässers durch Abwässer hat. Die in den folgenden Zeichungen aufgeführten Organismen sind solche Indikatororganismen für sehr verschmutzes Wasser.

Leitorganismen für übermäßig verunreinigtes Wasser ...

... und für kaum verunreinigtes Wasser
Quelle: Klee, Otto: Wasser untersuchen - Einfache Analysemethoden und Beurteilungskriterien, Quelle und Meyer Verlag, Wiesbaden 1998, S. 135 und 141.
Leider gibt es für die Bäche in unserer Gegend sehr wenig Informationen bezüglich ihrer Wassergüte. Dies hat u.a. mit dem schon erwähnten Aufwand zu tun, den diese Analysen fordern. Zwar gibt es vereinzelte Arbeiten zu bestimmten Bächen, doch handelt es sich bei diesen Analysen wiederum nur um Untersuchungen mit einer oder zwei der bekannten Verfahren. Eine ganzheitlich Wassergüteanalyse für bestimmte Bäche unserer Gegend gibt es nicht! Eine ältere (1984) physikalisch-chemische Untersuchung liegt beispielsweise für die beiden oberen Bachläufe der Schwalm und Olef vor, die beide im wallonischen Venn entspringen und auf deutscher Seite in die Rur münden.8 Die damalige Analyse ergab eine fast 100% Reinheit der beiden Bäche - eine absolute Rarität in den Ardennen!9
Eine interessante Studie neueren Datums, die physikalisch-chemische und biologische Analyseverfahren kombiniert, befasst sich mit der Wassergüte der Our.10 Als biologische Indikatoren dieser Untersuchung dienten spezielle Algen, anhand derer der Trophiegrad des Wassers, das heißt das Maß der Anreichung des Wassers mit Pflanzennährstoffen, gemessen werden konnte. Deutlich feststellbar ist, dass sich die Wassergüte des Prümerbachs in St.Vith und damit auch der Braunlauf seit der Inbetriebnahme der Kläranlage in St.Vith wesentlich verbessert hat.11
6. Fazit
Wie man sieht, ist die Beurteilung der Wassergüte sowie die Bestimmung des biologischen und naturschützerischen Wertes von Bächen und Tälern ein ziemlich komplexes Unterfangen, in das zahlreiche Spezialisten und Behörden eingebunden sind. Moderne Technik (GIS) und wissenschaftliches Know How sind in vielen Bereichen des Umweltschutzes unabdingbar geworden. Dass dies im Sinne des Naturschutzes ist, steht wahrscheinlich außer Zweifel. Für die BNVS erfüllen sich im Rahmen des INTERREG-Projekts zahlreiche Forderungen, die schon seit langer Zeit diskutiert werden. Die positive Bilanz der Entfichtungsaktion wird hoffentlich auch deutlich sichtbare Zeichen für eine breitere Bevölkerungsschicht setzen.

 Paarungsrad der Blauflügeligen Prachtlibelle, welche typisch an strukturreichen, halboffenen und sauberen Mittelgebirgsbächen vorkommt, beispielsweise Wiesentälern mit Erlengaleriewäldern entlang des Baches |  Ein typischer Offenlandbach mit seiner Erlengalerie im Frühjahrsaspekt, Genfbachtal
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Ein Aktikel aus der NaturZeit Nr. 2/2000 von Andreas Fickers
1 Siehe: Büschenfeld, Jürgen: Flüsse und Kloaken. Umweltfragen im Zeitalter der Industrialisierung, 1870-1918, Stuttgart 1997.
2 Siehe Radkau, Joachim: Wald- und Wasserzeiten, oder: Der Mensch als Makroparasit? Epochen und Handlungsimpulse einer menschenfreundlichen Umweltgeschichte, in: Jörg Calließ / Jörn Rüsen / Meinfired Stiegnitz (Hrsg.): Mensch und Umwelt in der Geschichte, Pfaffenweiler 1989, S. 139-174.
3 Die hier päsentierten Informationen zum Tälerprojekt stammen größtenteils aus der Wanderausstellung "Naturschutz ohne Grenzen - Schutz und Pflege von grenzüberschreitenden Tälern und Wasserläufen", die von Frank Wagener von der Biologischen Station im Kreis Euskirchen organisiert und koordiniert wurde.
4 Siehe Wagener, Frank: Anmerkungen zu Renaturierungsvorhaben an Mittelgebirgsbächen und -flüssen. Biologische Station im Kreis Euskirchen, Januar 1997, S. 2ff.
5 Siehe: Vergleich verschiedener europäischer Untersuchugs- und Bewertungsmethoden für Fließgewässer, Materialien Nr. 18, herausgegeben vom Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen, Essen 1995. Diese Studie kommt zu dem Schluß, daß der in Belgien angewandte Belgian Biotic Index im direkten Vergleich zu anderen biologischen Analyseverfahren unter mesosaproben Bedingungen nur unzureichend differenziert!
6 Um ganz korrekt zu sein, müßte man hier auch noch die bakteriologische und toxikologische Untersuchung hinzufügen. Zur Wassergütebestimmung siehe: Klee, Otto: Wasser untersuchen - Einfache Analysemethoden und Beurteilungskriterien, Quelle und Meyer Verlag, Wiesbaden 1998.
7 Der pH-Wert ist die Maßeinheit für die Wasserstoffionenkonzentration einer Flüssigkeit. Ist das Ionenprodukt aus positiv elektrische geladenen Wasserstoffionen (H+) mit saurer Wirkung und negativ elektrisch geladenen Hydroxylion (OH-) mit basischer Wirkung im Gleichgewicht, hat man einen pH-Wert von 7. Der pH-Wert wird auf einer Skala von 0 (extrem sauer) bis 14 (extrem basisch) bestimmt.
8 Siehe Fabri, R. / Leclecq, L.: Etude écologique des rivières du nord du massif ardennais (Belgique): flore et végétation de diatomées et physico-chimie des eaux, Université de Liège, annexe d'une Thèse de doctorat, Liège 1984.
9 Siehe Frankard, Ph. / Ghiette, P. / Schumacker, R.: Les réserves naturelles domaniales des vallées de la Schwalm et de l'Olef, Region Wallonne, Direction générale des Ressources naturelles et de l'Environnement, Conservation de la nature, Travaux n°19, 1998.
10 Remy, Sophie: Cartographie de la qualité de l'eau dans la vallée de l'Our, établie à l'aide de méthodes chimiques et biologiques (algues diatomées), Mémoire de fin d'étude de l'Université de Liège, Licence en sciences sanitaires, section environnement, Liège 1998.
11 Ebenda, S. 50.
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